Ausmisten – der beste Grund dafür, weniger zu kaufen

Für mich gehörte „Minimalismus“ von Anfang an zwingend dazu, wenn man das Thema Abfall- und Plastikvermeidung nachhaltig angehen will. Mir war sehr schnell klar, dass ich weniger kaufen muss, wenn ich langfristig weniger wegwerfen will. Warum das für mich wichtig ist, habe ich schon ein paar Mal aufgegriffen, zum Beispiel hier oder hier.

Nun ist es bei Weitem nicht so, dass ich gar nichts mehr kaufen würde oder es bei mir zu Hause kahl und weiß wäre. Von „100 Dingen“ bin ich so weit entfernt wie Syrien vom Frieden. Aber es wird. Und weil ich immer wieder feststelle, wie schwierig es ist, auszumisten und sich von Dingen zu trennen, hier meine wenigen Erkenntnisse zu dem Thema:

  1. Ausmisten ist schwierig. Irgendwie sind die meisten Menschen nicht für Trennungen geschaffen. Alles könnte man irgendwann und für irgendwas und irgendwo noch mal brauchen. Das ist normal und kein Grund, sich schlecht zu fühlen.
  2. Ausmisten ist Übungssache. Es ist wie beim Sport: Wer Muskelkater oder gar Verletzungungen vermeiden will, sollte langsam anfangen.
  3. Ausmisten ist individuell. Jeder hat Bereiche, in denen er weniger Probleme hat und andere, die unmöglich sind. Außerdem hat jeder sein eigenes Tempo.

Mein Weg

Ich habe nicht dort angefangen, wo es am nötigsten gewesen wäre, sondern da, wo der Erfolg täglich sichtbar war. In meinem Fall war es das Regal im Wohnzimmer. Eigentlich hätte man es ständig erweitern müssen, es sah immer vollgestopft aus. Trotzdem habe ich mich dabei ertappt, dass ich fast nur zum Regal gegangen bin, um dort etwas wegzustellen – aber fast nie, um etwas daraus zu benutzen. Daher habe ich mir Fach für Fach vorgenommen und mich gefragt, ob ich das Teil eigentlich noch brauche. Bei den Büchern zum Beispiel habe ich alles aussortiert, was keinen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Zum Beispiel der typische Urlaubsroman: gut für den Strand, aber nochmal in die Hand nehmen? Ich weiß doch, wie die Geschichte ausgeht. Dabei ging es mir nicht darum, die Bücher auf eine bestimmte Anzahl zu reduzieren. Ich wollte einfach nur noch Bücher im Regal, die für mich eine Bedeutung haben.

Seitdem arbeite ich mich ohne konkreten Ablaufplan durch die verschiedenen Ecken der Wohnung und nehme sie mir Stück für Stück vor. Manchmal hat das lange Vorlaufzeit und auf der To-Do-Liste steht ewige Zeiten „Kleiderschrank ausmisten“. Manchmal überkommt mich beim Öffnen einer Schublade die kalte Wut und ich mache mich spontan und ohne nachzudenken ans Werk. Und immer wieder komme ich am Regal vorbei und entdecke ein Teil, das auch weg kann.

Was passiert mit dem Zeug?

Nach dem Ausmisten kommt die allerschwierigste Frage: Wohin damit?

  • Wegwerfen ist in der Regel keine Option! Dinge die nicht kaputt sind, kann ich nicht auf den Müll werfen. Denn es gibt kein „away“, keinen Müllhalden-Planeten, der uns den Kram abnimmt. Also suche ich nach sinnvollen Verwendungsmöglichkeiten. Ein mühsames Geschäft, kann ich Euch sagen!
  • Die Dinge, von denen ich glaube oder hoffe, dass sie einen echten Wert haben, versuche ich zu verkaufen. Ebay ist mir persönlich lieber als der Flohmarkt, aber das ist reine Geschmackssache. Es gibt auch Portale wie Momox, die Sachen zum Festpreis aufkaufen. Da lohnt sich mal ein Blick, denn der Aufwand ist geringer als bei Ebay & co.
  • Bei vielen Sachen habe ich auch gute Erfahrungen damit gemacht, sie über Kleinanzeigen zu verschenken. Das ging in der Regel schnell, mit wenig Diskussionen, und ich hatte sehr oft das Gefühl, jemand anderen hat es echt glücklich gemacht. Am besten ist es natürlich, man hat im Freundes- oder Familienkreis jemanden, der es brauchen kann. Bei Kindersachen funktioniert das oftmals ganz gut, manches schöne Spielzeug oder Kinderbuch habe ich auch unserer Kita gegeben (nach Rückfrage, ob sie es brauchen können). Auch jüngere Freunde, die ihre erste eigene Wohnung beziehen, sind in dieser Hinsicht Gold wert 🙂
  • Manche Haushaltssachen oder auch Klamotten kann man auch spenden. Es gibt in vielen Städten Umsonstläden oder andere Institutionen, die sich freuen. Allerdings muss man auch da immer sehen, was gerade gebraucht wird.

So oder so: Es ist verdammt anstrengend, das Zeug wieder loszuwerden, wenn man es nicht einfach in die Tonne treten will. Und dieser Aufwand ist – ganz ehrlich – mein größter Antrieb, weniger zu kaufen. Denn auf diesen Stress habe ich wirklich überhaupt keine Lust mehr!

Und Ihr? Seid Ihr eher Jäger und Sammler, echte Minimalisten oder auch irgendwo dazwischen?

5 Gedanken zu “Ausmisten – der beste Grund dafür, weniger zu kaufen

  1. Eindeutig dazwischen. Ich bin eigentlich niemand, der sich der Blinden Shoppinglust hingibt, sondern denke bei jedem Kauf nach: ist das ein gutes Produkt? Wie lange hält das? Brauch ich das in ein paar Wochen immer noch? Trotzdem hat sich hier einiges angesammelt. Ich habe inzwischen mehrere große Flohmarkt-Kisten, deren Inhalt ich auf verschiedenen Wegen versuche los zu werden. Aber ich habe mir gerade am Wochenende vorgenommen: wenn das Zeug bis zur Adventszeit keiner gekauft hat, kommt es unter die Rubrik verschenken, da hab ich auch die Erfahrung gemacht, das geht schnell weg und die Leute freuen sich tatsächlich.
    Leider kommt das meiste dieser Dinge über Geschenke zu uns, was mir total Leid tut. Aber es ist total schwer, der Verwandtschaft klar zu machen, dass wir uns mehr über ein gut durchdachtes Geschenk freuen, als über 3 -die nach ein paar Monaten in der Flohmarkt-Kiste landen. Meine Mama zB liebt es mir Bücher zu schenken, weil sie weiß, wie gerne ich lese. Leider trifft sie nur selten meinen Geschmack und die Bücher wandern ungelesen ins Regal 😦
    Wie löst ihr diesen Konflikt? Oder ist eure Verwandtschaft schon komplett minimalistisch sensibilisiert?

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    1. Geschenke sind wirklich ein Problem. Bei uns trifft es weniger uns Erwachsene, da klappt das mit dem „Schenken, was ich mir gewünscht habe“ ziemlich gut. Da bin ich auch heilfroh drüber, weil ich auch niemanden vor den Kopf stoßen möchte, der mir ja eigentlich was Gutes tun möchte. Bei den Kindern häuft es sich einfach an, weil die auch in einem Alter sind, wo sie auch auf den ganzen Kleinkram total abfahren.

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  2. Oh, das ist gerade ganz mein Thema. Wir haben nach unserem Umzug noch immer nicht alle Kisten ausgepackt und da ist mir klar: was wir bis jetzt nicht gebraucht haben, kann eigentlich alles weg! Wegschmeißen mag ich es nicht, da geht es mir wie dir. Jetzt suche ich erst einmal die Dinge raus, die wirklich noch schön und etwas wert sind und versuche, sie zu verkaufen. Das klappt zwar ganz gut, aber es ist aufwändig und schnell geht es auch nicht. Irgendwann wird mich die Geduld verlassen und ich werde den Rest kistenweise verschenken… 😀

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