Minimalismus versus Hobby – (m)eine ungelöste Frage

Minimalismus ist eigentlich ganz einfach: Weniger Zeug besitzen, sich um weniger Zeug kümmern müssen, mehr Zeit und/oder Geld für die Dinge, die jedem persönlich wirklich wichtig sind – seien es Freunde, Reisen, Meditieren oder was auch immer. Was aber, wenn das „was auch immer“ ein Hobby ist, dass an sich gar nicht minimalistisch ist, sondern sehr viel mit „Zeug“ zu tun hat, vielleicht sogar mit „Zeug horten“? Mmmmmhhhh….

Kann jemand, dessen größtes Glück es ist, Briefmarkensammlungen zu komplettieren, Minimalist sein? Nun sind Briefmarken zum Glück sehr klein, aber wie ist es mit größeren Dingen wie Schallplatten? Büchern? Motorrädern? Und wie ist es mit Sport als Hobby? „Darf“ ein skifahrender Minimalist mehrere Paar Skier besitzen oder muss er auch hier minimalistisch sein?

Kategorische Antworten sind nicht meines. Jeder und jede Muss (wie immer im Leben) seinen eigenen Weg finden. Ganz sicher hängt die Antwort unter anderem davon ab, wie der eigene Minimalismus motiviert ist. Wer Minimalismus als Entrümpelung des Lebens begonnen hat, wird die Frage anders beantworten als jemand, der primär konsumkritisch ist oder jemand, der vor allem ökologisch motiviert ist (auch wenn sich das natürlich alles irgendwann vermischt).

Aber meine Antwort habe ich noch nicht gefunden: Ich bin ironischerweise durch meinen Versuch, weniger Zeug zu kaufen und weniger Müll zu produzieren, (wieder) zum Nähen gekommen. Und jetzt macht das Spaß. Verdammt viel Spaß sogar. Aber wenn ich schönen Stoff kaufe, meldet sich auch mein Gewissen. Denn eigentlich müsste ich gerade gar nichts nähen. Mein Kleiderschrank ist gut gefüllt und den Kindern passen ihre Sachen auch noch. Aber der Stoff ist so schön… Gelöst habe ich das für mich noch nicht, muss ich zugeben.

Und Ihr? Habt Ihr ein Hobby, das Euren eigentlichen „Ansprüchen“ (an Minimalismus, Konsumreduktion, Nachhaltigkeit etc.) entgegenläuft? Wie löst Ihr das für Euch?

13 Gedanken zu “Minimalismus versus Hobby – (m)eine ungelöste Frage

  1. Hey, das ist mal ein interssanter Gedanke. ich bin konsumfreudig, was Kleidung angeht und mein Minimalismus definiere ich über das „Ausmisten“. Ansonsten habe ich keine weitere Sammelleidenschaft…außer Kleidung. Ich habe kein schlechtes Gewissen noch mehr Kleidung zu kaufen, weil ich es schön finde mich schön anzuziehen. ABER Ich gebe mich aber 2-3x im Jahr dem Ausmisten hin…und wenn der Drang da ist, dann räume ich konsequent alles auf und aus …und da ich alles zum Roten Kreuz gebe, bin ich der Ansicht noch etwas Gutes damit zu tun. 🙂

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  2. Mir geht es ähnlich. Ich spiele Gitarre. Und kaufe immer mehr Noten. Die würde ich auch nie ausmisten, denn das Musizieren bringt viel Freude. Andererseits miste ich aus was geht: Bücher, Kleidung, Erinnerungsstücke, „Dinge“. Für mich hat der Minimalismus seien Grenzen dort, wenn ich meine Lebensfreude ausmiste würde 😉
    Liebe Grüße, Martin

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  3. das Dilemma kenne ich auch! Ich habe gerne Gäste, backe für mein Leben gern – dazu braucht es Platz, Geschirr und Backformen. Ich könnte deshalb nicht in 40m2 leben. Aber ich will nicht für jeden Fall vorsorgen, deshalb miste ich aus was ich so gut wie benutze. Beim nähen habe ich angefangen auszusortieren was sich in den letzten Jahren angesammelt hat. Ich habe soviel Stoff bekommen, der mir eigentlich gar nicht gefällt. So habe ich schweren Herzens reduziert und behalte nur was mir wirklich gefällt und sich mit meinem Zeitbudget vereinbaren lässt.

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  4. Ja das kenne ich nur zu gut. Ich bastel und handarbeite gerne und fuer mich hat sich bisher bewaehrt nur dinge zu kaufen, die ich wirklich benoetige und nicht lauter dinhe zu horten, weil sie schoen sind oder weil ich vieleicht irgendwann irgendwas damit machen will

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    1. Horten für „irgendwann“ geht gar nicht! Aber bastelst und handarbeitest Du auch Dinge, die Du eigentlich nicht brauchst (aber die Du gerne machen willst)? Das ist nämlich mein Problem: Ich sehe einen schönen Stoff, weiß sofort, wie das Kleid oder T-Shirt aussehen soll – aber eigentlich braucht es dieses neue Kleidungsstück nicht. Nähen würde ich aber trotzdem gerne. Verstehst Du, was ich meine?

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      1. Ich glaube, da bist Du wieder bei Martins Anmerkung mit der Lebensfreude. Wenn wir wirklich nur das machen (nähen) was wir echt brauchen, fehlt doch vieles. Ich glaube, wenn es Dir Freude bringt, ist es okay. Du reduzierst, um Zeit und Platz zu haben für das, was Dir Freude macht- und dann machst Du es nicht, weil es wieder was zufügt, ist doch irgendwie abstrus. Du machst doch vermutlich keine 8 Kleider am Tag und Du wirst die, die Du machst, mit Freude tragen. Oder jemandem schenken. Ich finde, das ist doch super wichtig!

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      2. Ja das verstehe ich nur zu gut und das ist auch oft mein Problem. Ich versuche nur Dinge herzustellen, die ich oder jemand anderes braucht. Teilweise hat mir das auch den Spaß an einigen Dingen verdorben. Ich liebe Ohrringe und habe noch viiieeele Perlen hier rum liegen, aber verbastel sie nicht, weil ich immer denke „du hast doch genug Ohrringe..“

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  5. In Deinem Dilemma fehlt nur die richtige Rechtfertigung für ein neues Shirt. Könnte so lauten: „Dieses super T-Shirt, das ich nähe, wird häufig getragen, und wenn es zu klein wird, weitergegeben (Flohmarkt, Kleiderkreisel). Dadurch schaffe ich ein Produkt, das eine lange Lebenszeit hat und mir und anderen viel Freude bringt. Das reicht doch, oder? 😉

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  6. Ich habe meinen Besitz in den letzten 1 1/2 Jahren drastisch reduziert (und bin immer noch dabei) – ich bin leidenschaftlicher DIYler (aktuell stricken, scrapbooken, Papiersachen), mein Kreativsein ist allerdings auch das, was mich zu einem großen Teil ausmacht, lass ich es sein, leide ich darunter.
    Also habe ich anderen Kram entsorgt, der mir weniger wichtig war als mein Hobbyzubehör. Aber auch hier habe ich entschlackt: geblieben ist nur, was mir wirklich Freude bereitet oder in den nächsten 12 Monaten nützlich sein könnte (Reißverschlüsse für Strickjacken, Knöpfe,…) Ich kaufe allerdings nichts mehr dazu, einfach nur „weil’s so schön aussieht“. Ich erfreue mich an dem was ich habe oder kaufe nur dann etwas, wenn ich auch unmittelbar damit etwas umsetze (Pulliwolle hab ich nicht auf Vorrat, musste ich also letztens einkaufen, bevor ich den Pulli beginnen konnte).

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  7. Hallo!

    Mir geht es sehr ähnlich wie Dir. Mein Hobby ist handarbeiten und nähen. Und dafür habe ich auch einiges an Zeugs, was andere nicht haben.

    Trotzdem habe ich deshalb nun wirklich kein schlechtes Gewissen!

    Das andere Dilemma habe ich schon, dass ich öfters was nähen möchte aber eigentlich nichts brauche. Wenn ich etwas mache, dann solle es auch einen Nutzen haben.

    Daher sind es derzeit meist Reparaturarbeiten für die Kleidung von meinen Kindern oder Herrn Widerstand, die ich nähe. Und ab und zu was Nützliches für zu Hause.

    Und dann mache ich natürlich alle Geschenke selbst, da kann ich auch meinem Hobby nachgehen.

    Definitiv nicht einfach.

    lg
    Maria

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