Fastenzeit. Was lernen wir daraus?

Die ersten zwei Wochen der Fastenzeit sind (fast) vorbei, Zeit für ein weiteres Zwischenfazit. Wie schon berichtet, war der erste Tag gruselig gräßlich, danach war es erstaunlich einfach. Noch viel erstaunlicher finde ich, dass es so leicht weiterging.

Dabei habe ich mich ein bisschen genauer als sonst beobachte. Meine Frage war: Wann fällt mir mein Fasten leicht?  Wann ist es schwer und eine Belastung? Und was kann ich daraus lernen?

Lektion 1: Kümmere Dich darum, Dein Leben so zu organisieren, dass Dir das „gute Leben“ leicht fällt!

Die klarste Erkenntnis war nämlich: Mir fällt das Fasten immer dann leicht, wenn die Versuchung weit weg ist. Und umgekehrt kommt die Lust auf Süßes (bei mir) immer genau dann, wenn ich etwas Süßes sehe. Das Zeug wegzuräumen bzw. gar nicht im Haus zu haben, ist bereits die halbe Miete.

Was bedeutet das übertragen auf meine anderen Themen? Ich glaube, dass wir ganz oft das machen, was schlicht naheliegend ist im praktischen Sinne!

Deshalb:

  • Lege die Stoffbeutel in Reichweite.
  • Pack Dir Deinen Coffee-to-go-Becher in die Handtasche.
  • Schau weniger Werbung und klebe einen „Keine Werbung“-Aufkleber an den Briefkasten.
  • Wenn Du weniger Fernsehen schauen willst, stelle ihn irgendwo hin, wo er aus dem Sinn ist (vielleicht sogar in den Keller).
  • Wenn Du weniger Auto fahren möchtest, parke das Auto weiter weg.
  • Und bezogen auf die Süßigkeiten: Es ist einfacher, der Versuchung einmal im Laden zu widerstehen als ständig zu Hause.

Diese Liste kann sich jeder ergänzen, wie es für ihn oder sie Sinn macht.

Lektion 2: Wir müssen uns darum kümmern, dass das Richtige normal ist!

Vergangenes Wochenende waren mein Großer und ich zu Besuch bei Freunden in deren Wochenendhaus und ich musste mich entscheiden: konsequent fasten oder mich als Gastüber die angebotenen Köstlichkeiten freuen? Ich habe mich – Ihr werdet es schon ahnen – für die zweite Variante entschieden: Ich habe die frisch gebackenen Zimtschnecken nicht abgelehnt, sondern gerne zugegriffen. Sie waren eine Zeichen, dass ich willkommen bin in diesem Haus.

Mir ist aber bewusst, dass das nicht nur der Wunsch ist, den anderen eine Freude zu machen oder sie nicht zu düpieren. Mir fällt es (wie vermutlich den meisten Menschen) schwer, mich entgegen dem Mainstream und den Erwartungen der anderen zu verhalten. Diese Erkenntnis hatte ich schon vergangenes Jahr beim Koffein-Fasten, in diesem Jahr merke ich es an meiner Entscheidung für die Zimtschnecken. Immer noch ist es in neuen Läden eine Herausforderung für mich, meine Dosen oder Beutel über die Theke zu reichen. Ich würde nämlich gerne einfach das tun, was alle tun, und nicht auffallen.

Was bedeutet das?

Wenn wir nicht nur für uns, sondern für die Gesellschaft eine Veränderung wollen, müssen wir dafür sorgen, dass das richtige (nachhaltige, gesunde, verantwortungsbewusste…) Verhalten mindestens akzeptiert und nicht hinterfragt wird. Besser wäre es noch, wenn es sogar zur Norm wird. Warum muss man auf jedes freudige Ereignis mit Alkohol anstoßen, warum ist eine große Wohnung ein Statussymbol, warum muss sich immer noch der Veganer erklären und nicht der Carnivore, worum wird Biogemüse extra gekennzeichnet und nicht das konventionelle?

Stellen wir uns doch mal eine andere Welt vor: in der statt Autos vor unserer Tür Grünflächen sind und ganz viele Fahrradständer. In der der ÖPNV so ausgebaut ist, dass wir problemlos damit von A nach B kommen (emissionsfrei natürlich). In der schlicht überall auf der Welt Gemüse und Obst nach Biostandards angebaut werden, ohne Pestizide. In der es normal ist, wenig Fleisch und tierische Produkte zu essen. In der jede Kuh, jedes Schwein, alle Tiere eine Weide haben und Auslauf. In der die Menschen überall auf der Welt von ihrer Arbeit gut leben können und Fair Trade-Label gar nicht mehr nötig sind. In der jeder Supermarkt (auch) unverpackte Lebensmittel verkauft. In der derjenige im Laden schräg angeschaut wird, der keine Dose/Glas/Tüte dabei hat.

Wenn es uns gelingen würde, das nachhaltiges Verhalten normal ist und nicht mehr hinterfragt wird, wäre so viel gewonnen. Wie wir diesem Ideal näher kommen können, das ist eine andere Frage (und ein anderer Blogartikel).

Und Ihr? Was habt Ihr aus den ersten Fastenwochen gelernt?

5 Gedanken zu “Fastenzeit. Was lernen wir daraus?

  1. Was für ein toller Beitrag!!!! Ich stimme dir mal wieder 100% zu. Man möchte einfach nicht auffallen und sich nicht immer erklären müssen. Gleichzeitig fällt man oft viel weniger auf als man meint! Deine vision von einem umweltfreundlichen Leben und Umfeld ist wunderschön!

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  2. Ein toller Artikel, spricht mir aus der Seele!! Genau dieses Gedanken habe ich auch schon oft gehabt: Warum ist das RICHTIGE nicht NORMAL? Wieso werden Menschen, die bewusst und achtsam leben möchten, ständig zur Rechtfertigung aufgefordert? Ich hoffe und wünsche sehr, dass eines Tages so viele Menschen bewusster leben, dass es eben „automatisch“ zur Norm wird. 🙂 Alles Liebe, Katharina

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