Und was nehme ich nun?

In der Theorie ernähre ich mich natürlich mit perfekten Lebensmitteln. Die kommen aus der Region, frisch vom Feld, angebaut ohne Pestizide, von einem Landwirt, der seine Mitarbeiter anständig behandelt. Und am Ende natürlich noch unverpackt. In der Theorie.

In der Praxis habe ich gleich mehrere Probleme: Es beginnt damit, dass ich ganz, ganz selten alles über die Lebensmittel weiß, was ich gerne wüsste. Bedeutet „regional“ wirklich ums Eck? Ist das Stück 50, 100 oder 200 Kilometer gefahren? Oder noch mehr? Ist es frisch geerntet oder doch ein paar Tage gekühlt worden mit hohem Energieaufwand? Wie wurde es für den Transport verpackt? Bezahlt der demeter-Bauer seine Mitarbeiter auch angemessen? Viel zu oft muss ich trotz Nachfragen und Recherchieren zugeben: Ich habe keine Ahnung!

Aber selbst wenn ich alles weiß oder zu wissen glaube: Ganz, ganz selten erfüllt ein Lebensmittel alle Ansprüche, die ich theoretisch hätte. Also eigentlich nie. Und damit sind wir mittendrin im Dilemma der Entscheidung: Welches ist das kleinste Übel?

Olga von ZeroWasteLifestyle hat mich mit ihrem Artikel „Bio vs. Zero Waste“ mal wieder auf diese Frage gestoßen. Sie beginnt mit dem Klassiker im Supermarkt, der verpackten Bio-Gurke neben der unverpackten konventionell angebauten Gurke. Und sie endet mit einem klaren Fazit: „Am liebsten konsumiere ich zwar immer noch Bio, unverpackt, regional, saisonal und vegan. Aber seit mir all das (Anm: der katastrophale Zustand der konventionellen Landwirtschaft) bewusst ist, steht für mich die Verpackung der Lebensmittel nicht mehr an 1. Stelle. Dann lasse ich sie lieber ganz weg. Wer nicht so standhaft ist und sich entscheiden „muss“, mein ganz klarer Favorit: Lieber Bio als unverpackt!“

Ich selber habe bislang noch keine so klare Haltung, kann Olgas Position aber sehr gut nachvollziehen. Biologisch angebaut ist sicherlich eine Top-Priorität, auch wenn es mich beim Blick auf den Biozucker in der Plastiktüte schüttelt.

Bei anderen Entscheidungen bin ich mir weiter völlig unsicher. Wie wirkt sich der Energieverbrauch für den Transport von schwereren Glasflaschen aus im Vergleich zur leichteren Plastikverpackung? Oder ein anderer Klassiker: Äpfel aus Deutschland, die monatelang gekühlt wurden vs. frisch geerntete Äpfel aus Übersee? (Auf Äpfel verzichten ist mit Kindern sehr, sehr schwierig…). Die Liste kann ich jederzeit weiterführen, Inspiration dafür finde ich bei jedem Einkauf. Eine konsistente Strategie habe ich nicht, ich entscheide von Fall zu Fall und immer mal wieder anders. Glücklich macht mich das nicht, aber einen Ausweg habe ich auch noch nicht.

Und Ihr? Wie haltet Ihr das? Was sind Eure Prioritäten?

5 Gedanken zu “Und was nehme ich nun?

  1. Achso, nochwas:
    bei Plastik genau hingucken: seit ich im Bioladen arbeite, weiß ich, daß einige der Hersteller inzwischen Alternativen nutzen, die aussehen wie Plastik, aber keines sind. Zellglas (Cellophan) zB

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  2. Bei den Äpfeln kann ich Dir leider auch nicht weiterhelfen.
    Aber was Glas- und Plastikverpackungen angeht: Hier gibt es tatsächlich Studien, die belegen, dass Glasverpackungen beim Transport einen viel höheren CO2-Ausstoß verursachen und mehr Feinstaub produzieren aufgrund des höheren Gewichts als eine Plastikverpackung für das gleiche Produkt. Auch wenn man aus dem Altglas wieder neue Glasverpackungen machen möchte, wird durch das Einschmelzen enorm viel Energie verbraucht.
    Es ist und bleibt schwierig….
    Hier vielleicht noch ein Link, der dich interessieren könnte:
    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/recycling-die-groessten-muell-mythen-des-alltags-1.3490012
    Vielleicht ist das eine oder andere neue mit dabei.
    LG
    Natalie

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    1. Liebe Natalie, vielen Dank, auch für den Link. Den Artikel muss ich mal in Ruhe lesen! Wie hältst Du es denn mit der Glasverpackung. Denn das höhere CO2 ist für mich klar. Das ist ja auch so beim Vergleich Plastiktüte vs. Papiertüte. Aber bei Plastik ist spielen ja noch andere Faktoren mit rein: Es baut sich nicht ab, es wird dafür Erdöl verbraucht und andere problematische Stoffe, die über kurz oder lang in der Umwelt landen… LG Christiane

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