Weniger Plastik

Plastik ist allgegenwärtig. Morgens beim Ausmachen des Weckers und beim Zähneputzen. Auf dem Weg zur Arbeit beim Coffee to Go. Beim Kugelschreiber am Schreibtisch. Der Computer, die Tastatur, die Maus. Vom Einkaufen im Supermarkt ganz zu schweigen, selbst das Obst und Gemüse ist eingeschweißt. Das Ergebnis: Wenn man die Einkäufe zu Hause auspackt ist der Gelbe Sack schon wieder halb voll. Und die Tupper-Schüsseln auch.

An manchen Stellen ist Plastik ein Segen und wer einmal im Krankenhaus am Tropf hing, der weiss, was ich meine. Aber an vielen anderen Stellen ist es nur eine Folge unserer Bequemlichkeit.

Dabei ist Plastik ein junges Material. Die Entwicklung beginnt im 19. Jahrhundert, aber erst Mitte der 30er Jahre hält es in den ersten Haushalten Einzug mit Haushaltswaren und Spielzeug (www.technikatlas.de). Seinen echten Siegeszug beginnt es nach 1945.

Die Vorteile sind natürlich groß: Vor allem ist es in beliebige Form gießbar und billig. Aber es hat entscheidende Nachteile. Zum einen lassen sich Plastikgegenstände oftmals schwer reparieren (und aufgrund des billigen Materials lohnt sich die Reparatur auch oftmals nicht). Viel schwerwiegender aber ist: Das Material verrottet nicht. Und es steht im Verdacht, krank zu machen.

Umwelt

Ich zitiere hier einfach mal das Umweltbundesamt: „Man geht davon aus, dass Mikroorganismen nicht in der Lage sind, Kunstoffe vollständig zu zersetzen. Bis zu 450 Jahre benötigen eine Kunststoffflasche oder eine Wegwerfwindel, bis sie sich zersetzt haben. Plastik ist biologisch ‚inert‘, also sehr stabil und löslich, und daher auch kaum einer Mineralisation unterworfen, so dass Mikroplastikpartikel zwar kontinuierlich kleiner, aber nicht vollständig abgebaut werden. Eine Anreicherung von Kunststoffen wird weltweit an Stränden, in Meeresstrudeln und Sedimenten beobachtet.“ Das heißt: All das Plastik, was wir weltweit bisher produziert haben und nicht – wie hier in Mitteleuropa ja noch üblich – gesammelt und wahlweise recycelt oder „thermisch verwertet“, sprich verbrannt haben, ist noch da!

Aber wo?

Vor allem im Meer! „Laut deutschem Umweltbundesamt befinden sich derzeit (2013) 100 bis 150 Millionen Tonnen Abfälle in den Meeren, 60 % davon aus Plastik. 70 % des Abfalls sinken auf den Meeresboden, 15 % schwimmen an der Wasseroberfläche und 15 % werden an die Strände gespült. Auf Fotografien vom arktischen Tiefseeboden zwischen Spitzbergen und Grönland fanden sich hochgerechnet ’83 Müllteile pro Fußballfeld‘; 2010 hatte sich dort in 2.500 Metern Tiefe nach zehn Jahren die Menge des abgesunkenen Plastikmülls verdoppelt.“ (de.wikipedia.org) Es wird dort von den Umwelteinflüssen zwar nach und nach geschreddert, aber dann auch praktischerweise von den Fischen mit Nahrung verwechselt und landet im Verlauf der Nahrungskette auch schlicht wieder bei uns auf dem Teller.

Gesundheit

Hinzu kommt: Plastik ist zwar praktisch und sorgt dafür, dass unser Käse ohne Kontakt mit der Außenwelt den Weg vom Supermarkt in den Kühlschrank schafft, aber Plastik steht auch immer noch stark im Verdacht, nicht gut für unsere Gesundheit zu sein, um es mal vorsichtig auszudrücken. Die Forscher streiten sich darum, aber ausräumen konnte den Verdacht auch noch niemand. Weichmacher, die Plastik weich machen, können Krebs auslösen, das Erbgut verändern und Unfruchtbarkeit verursachen (z. B. www.welt.de).

Um Plastik wiederum besonders hart zu machen, wird hingegen BPA genutzt. Aber: „“Die Menschen in den industrialisierten Staaten sind mittlerweile zu über 90 Prozent chronisch mit Bisphenol A (BPA) belastet, also sozusagen ‚plastiniert'“, sagt Dieter Swandulla, Institutsdirektor der Physiologie II an der Universität Bonn. „In nahezu jeder Urinprobe lassen sich nennenswerte Konzentrationen von BPA nachweisen.“ Das Bisphenol A gilt als besonders gesundheitsschädlich. „Dabei handelt es sich um ein synthetisches Hormon, das östrogene Wirkung hat. Man hat herausgefunden, dass seine Aufnahme zu Fettleibigkeit, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen führen kann“, erklärt Swandulla.“ (www.wiwo.de). In Babyflaschen ist hierzulande mittlerweile verboten, aber auch nur dort.

Und auch sonst stößt man auf viele Berichte, in denen von gesundheitsschädlichen Folgen des allgegenwärtigen Materials mindestens gemutmaßt wird.

Und jetzt?

Vor diesem Hintergrund stellt sich für mich die Frage: Muss ich meinen Einkauf in Plastiktüten nach Hause tragen? Kann ich meinen Käse auch in Papier eingeschlagen bekommen? Packt mir der Metzger meine Wurst vielleicht gleich in meine mitgebrachte Dose? Warum rühre ich meine Suppe im Topf mit einem Löffel aus Plastik um anstatt mit einem Holzlöffel? Muss mein Klopapier in Plastik eingeschweißt sein? Gibt es Waschmittel nicht auch wie früher im Pappkarton?

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